Andersrad

gleich und doch verschieden

Mondsee-Halbmarathon mit Wetterkapriolen

| Keine Kommentare

Zum Abschluß des 1. Halbjahres wollte ich noch die Basis des Marathontrainings für eine gute weitere Wettkampf-Zeit nutzen. Nachdem ich vor 2 Jahren in Mondsee schon einmal eine PB aufgestellt hatte (jedoch damals über 10km) war dieses Mal eben der Halbmarathon dran.

7 Wochen ist der Linzmarathon her. Nur ein paar Tage Ruhe waren nötig, dann war noch genügend Motivation übrig erneut in einen Trainingsplan einzusteigen. Zwar sehr verkürzt, aber in 6 Wochen kann man mit dem vorhandenen Marathonfundament schon was erreichen. Mein letzter ambitionierter und gleichzeitig auch „guter“ Halbmarathon ist schon etwas länger her. 2024 am Wörthersee war ich zwar ambitioniert, „gut“ war aber eindeutig nicht. 2022 auf der Haager Lies war die Zeit zwar mit 1:33 ganz ok, angesichts der insgesamt abfallenden Laufstrecke aber auch nicht so besonders. Davor waren nur halbherzige Versuche wie ein zur Hälfte abgebrochener Marathon in Bad Füssing und auch in Salzburg sowie ein Versuch in Linz, der aber scheiterte. Der letzte richtige Versuch ist somit auch gleichzeitig meine PB – aufgestellt 2016(!) in Linz.

Egal – das Training hat dieses Mal recht gut gepasst, auch wenn ich mental bereits leichte Verschleißerscheinungen bemerkt habe. (Im Juni wird deswegen hauptsächlich regeneriert.) Ich konnte wie auch beim Marathon alle Trainingseinheiten sauber in den gewünschten Bereichen durchziehen und meine CP hat sich weiter erhöht (auf 274W)!

Der Start in Mondsee ist ja erst um 17 Uhr spätnachmittag/abends. Das ist zwar insofern angenehm als man gut ausschlafen kann, jedoch Ende Mai kann es eben auch schon recht heiß sein – und das ist es dieses Mal auch. 27-29° zeigt das Thermometer an, nicht gerade ideale Laufbedingungen auch wenn für später ein Gewitter angesagt ist! Aber es hilft ja nichts, geht allen dabei gleich. Ich reduziere dadurch aber bereits meine Erwartungshaltung. Laut Prognose wären ca 1:31:30 zu erwarten, das erscheint mir aber eher nur bei optimalsten Bedingungen möglich zu sein. Also stecke ich mir 3 Ziele:

  1. Minimal: 1:35
  2. Gut: 1:33
  3. Optimal 1:31 und darunter

Laufen werde ich aber natürlich nur nach Leistung (261W) und sehen was am Ende herauskommt.

kein idealer Start

Ca. 15min vor dem Start bin ich bereits gut eingelaufen im Startbereich und stelle mich im Schatten gar nicht mal so weit von der Startlinie entfernt auf. Jedoch füllt es sich danach ziemlich schnell und auch die vorhandenen Pacemaker für 1:30, 1:45 und 2:00h stehen alle weiter vor(!) mir und ich habe keine Chance mich weiter vorne aufzustellen. Noch dazu ist der Start relativ schmal – zumindest wenn fast 700 StarterInnen loslaufen.

Ich versuche also mich auf dem ersten Kilometer aus dem Zentrum von Mondsee heraus durch anderen durchzuschlängeln und eine Position zu finden wo ich endlich meine Leistung entsprechend abrufen kann. Das braucht aber leider schon mal den ersten Kilometer bis es soweit ist. Deshalb ist sowohl die Pace mit 4:28min/km als auch die Leistung mit 245W eher weiter unten zu finden. Danach kommt es aber gut ins Laufen und ich beginne nach und nach andere LäuferInnen einzusammeln bzw. stehen zu lassen. Die Leistung ist mit 258 bis 265W pro Kilometer auch recht zufriedenstellend. Ich merke aber dass ich die geplanten 261W nicht auf Dauer durchziehen werde können. Ich verlasse mich deswegen noch stärker aufs Gefühl und kontrolliere immer wieder – es pendelt sich knapp unter 260W ein, mit Ausreissern nach unten und nach oben.

Davor gilt es aber noch die pralle Sonne, den gar nicht so schwachen Gegenwind sowie das leichte bergauf an der Drachenwand zu überwinden. Das ist mental gar nicht so einfach und ich habe in dieser Hinsicht dabei schon ganz schön zu kämpfen. Immerhin kann ich meine Leistung aber stabilisieren und halten. Außerdem überhole ich weiterhin immer wieder andere LäuferInnen und werde im Gegenzug aber NIE selbst überholt, das gibt Kraft!

Dann kommt endlich die kleine Wendeschleife und es geht auf leicht veränderter Strecke in die 2. Hälfte, diesmal mit etwas Rückenwind und auch die Sonne ist nun durch Wolken verdeckt. Auch wenn ich von km10 bis 17 „nur“ mit 250 bis 255W unterwegs bin bin ich nach wie vor im Überholmodus, die anderen leiden anscheinend noch etwas mehr als ich.

Die letzten 5 Kilometer werden noch einmal anders und „besonder“: es kommt ein ziemlicher Sturm als Vorbote des nahenden Regen bzw. Gewitters und es ist gar nicht so einfach gegen diesen Wind zu laufen, vor allem bekomme ich relativ viel Staub in die Augen. Ich habe mittlerweile einen jungen Burschen im Schlepptau auf den ich auflief und der sich hinter mir reingehängt hat. Meistens bin ich vorne, mal er. 2km vor dem Ziel sagt er mir dass er nicht mehr vor gehen kann da er schon k.o. ist, das ist ok für mich, viel Luft habe ich ja selbst nicht mehr. Kurz danach bietet er mir sogar als Dank fürs Ziehen auch noch ein Gel an, ich habe aber selbst noch genug, auch wenn ich nach dem ersten aufgrund des sehr trockenen Mundes keines mehr genommen habe bzw. nehmen wollte/konnte.

Die letzten 2km sind dann noch durch den Park am See zu laufen und dabei etwas mühselig. Ich kann die Leistung noch halten bzw. sogar wieder auf über 260W steigern, aber es tut schon sehr weh und die durch den Sturm halb in den Weg gedrückten Absperrbänder machen es neben den später gestartetetn 5- bzw. 10km-LäuferInnen nicht einfach. Der Junge geht wieder nach vorne, mehr als 20m kann er sich aber nicht von mir absetzen. Am letzten Kilometer beginnt es dann auch noch zu regnen und dicke Tropfen beginnen herunterzuprasseln. Und ich bin endlich nach 1:33:35h auch im Ziel angekommen.

Der junge Bursch ist zwar vor mir dort, aber im Ergebnis bin ich schneller da ich später losgestartet bin. 😉

Insgesamt ist der 36. Platz von fast 700 StarterInnen bzw. der 6. in der AK45 von 47 ein durchaus gutes Ergebnis und mit der Zeit (4:25min/km Pace bei 257W Schnitt) bin ich angesichts der Wetter- und Streckenumstände ganz zufrieden, schließlich habe ich mein gutes Ziel von oben ja erreicht. Natürlich wäre ich gerne endlich einmal unter 1:30 geblieben, aber dafür waren Wetter, Strecke und Form nicht gut genug.

Am meisten hat mir gefallen, dass ich von Anfang bis Ende trotz mentaler Tiefs ziemlich konstant laufen konnte und dabei durchgehend überholen konnte ohne selbst überholt zu werden. Pacing und Rennstrategie haben somit bei allen meinen heurigen Rennen in Wels, Linz und Mondsee also sehr gut geklappt. Das macht auch gute Laune für den Herbst. Da wird es beim Highlight zwar nicht um eine PB gehen, denn ich möchte den ganzen Marathon am Wolfgangsee versuchen, aber Pacing ist da durch die Höhenmeter inkl. Falkenstein auch sehr sehr wichtig.

Vielleicht geht davor ja noch beim Halbmarathon was, denn ich werde auch wieder den Haager Lies Halbmarathon versuchen, auf der insgesamt abfallenden Strecke sollte was drinnen sein. Aber nur wenn ich mir jetzt endlich Zeit zum Regenerieren gebe und dann im Sommer wieder gut aufbauen kann. Stay tuned!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.