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Was lange währt wird endlich gut – Linz Marathon 2026

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Nach mehr als 12 Jahren wieder mal ein ganzer Marathon! Nach den vielen Pleiten und schlechten Erlebnissen sollte es dieses Mal endlich klappen!

Im Vorfeld

Mein letzter Einzel-Marathon den ich ins Ziel gebracht hatte war Wien 2014, danach mehr schlecht als recht war nur der Marathon von der Triathlon-Langdistanz in Podersdorf. Dazwischen waren zwar einige Versuche, aber nie der Erfolg und auch bei meinen wenigen ins Ziel gebrachten Marathons wie zB der erste in München konnte ich es nie richtig umsetzen.

Dieses Mal sollte es funktionieren! Ich hatte seit Oktober so gut und konsistent wie noch nie trainiert, unter anderem den Marcothon (im Dezember jeden Tag mind. 25min oder 3 Meilen laufen) erstmals geschafft und sogar auf 70 solche Tage erweitert, musste gerade einmal einen lockeren Lauf im Februar krankheitsbedingt ausfallen lassen bzw. eine Intervalleinheit 3 Wochen vor dem Marathon bedingt durch Knieschmerzen (die danach durch Ruhe und Bandage zum Glück in den Griff zu bekommen waren), ansonsten wurde alles auf Punkt und Beistrich lt. Stryd-Trainingsplan durchgezogen.
Das (erstmalige) konsequente Training nach Leistung gefiel mir irrsinnig gut – fordernd, aber nicht überfordernd, schön von Woche zu Woche gesteigert und vor allem befreite es mich von der Gier nach Pace und bestimmten Zeiten – ich ließ mich einzig und allein von der Leistung tragen. Ob die zugehörige Pace dann abhängig von Wind und Terrain schneller oder langsamer war war komplett egal. Das machte es natürlich auch für eine mögliche Marathon-Prognose gar nicht so einfach, war für mich aber eindeutig das Richtige!

Die letzten Tage vor dem Marathon verliefen nahezu ideal, das lockere Training tat gut und ich spürte dass eine sehr gute Form da war – auch der letzte Test 4 Wochen zuvor beim „10er“ in Wels verlief trotz der dort vorhandenen Streckenprobleme sehr zufriedenstellend.

Trotzdem war ich natürlich sehr nervös je näher es zum Marathonstart hinging. Am Freitag holte ich die Startnummern ab – nicht nur für mich sondern auch für meine Kinder (wobei „Kinder“ ja nicht mehr sehr zutreffend ist), die die Staffel sowie den Halbmarathon laufen sollten. Dabei regnete es etwas, doch die Wettervorhersage für den Sonntag sah vielversprechend aus: trocken und Temperaturn zwischen 8, 9° am Start bis ca. 15°C im Ziel bei wenig Wind – nahezu perfekt!

Wettkampftag

Am Sonntag waren wir dann zwar eine Stunde vor Start schon am Linzer Bahnhof. Da sie aber in den Schließfächern etwas einzusperren hatten dauerte es noch bis wir endlich im Shuttlebus zum Start drinnen saßen (in den davor waren wir aufgrund Überfüllung nicht mehr hineingekommen). Da dieser auch aufgrund der schon geltenden Straßensperren einen großen Umweg fahren musste kamen wir erst ca, 15min vor dem Start bei der Tabakfabkrik an. Da war ich schon mental ziemlich im Tunnel und konnte mich nicht mehr so gut auf die anderen konzentrieren. Wir hatten aber schon im Vorfeld alles (Übergaben, Tempo, etc.) gut durchgesprochen, da war das zum Glück nicht mehr nötig. Meinen Beutel konnte ich Helena geben, da sie erst als 3. der Staffel dran war und konnte mir den Abgabestress beim Brucknerhaus sparen.

Nach einer kurzen Blasenerleichterung und dem obligaten Start-Gel stand ich dann auch schon im Starterfeld auf der Autobahn – erstmalig auf der linken Seite unter den Marathonis (rechts sind die Halbmarathon-LäuferInnen). Ich hatte mich angesichts der Temperaturen für prinzipiell kurz-kurz entschieden, jedoch noch zusätzlich Armlinge an sowie die Laufkappe auf – eine auch im Nachhinein gute Entscheidung.

Vorüberlegungen

Ein wesentlicher Bestandteil war der Ernährungsplan. Ich hatte wiederholt Bekanntschaft mit dem „Hammermann“ gemacht und wollte es energetisch dieses Mal so  gar nicht nicht darauf ankommen lassen. Bei den letzten langen Läufen hatte ich mich schrittweise mit immer mehr Gels herangetastet – von 1x pro Stunde bis hin zu alle 20min. Das wollte ich auch heute mit einem Gel alle 4,5km so machen. Wichtig dabei war auch das Trinken (ich war bei einem langen Lauf ziemlich dehydriert) – deswegen war etwas Wasser bei jeder Labestelle Pflicht, und auch um das Klebrige vom Gel runterzuspülen.

Die Pace war zweitrangig, ich wollte nach Leistung laufen. Stryd schlug mir 239W (entspricht ca. 3:15h +/- 4min) vor, ich wollte es aber lieber konservativer mit 230 – 234W angehen und dann gegebenenfalls auf der 2. Hälfte zulegen. Als Ziel galt es vor allem mal konstant durchzukommen und natürlich auch meine Wiener Zeit von 3:41h zu verbessern – ob allerdings mit 3:15 oder 3:20 war nicht so wichtig und sorgte bei mir auch für Entspannung, da ich sonst zu stark auf die Pace fokussiert gewesen wäre und gerade zu Beginn womöglich überziehen würde.
Deshalb hatte ich mir auch auf der Uhr eine Einheit mit 42x1km mit 230 – 246W eingeplant um zu sehen dass ich im grundsätzlich richtigen Bereich drinnen bin.

Es geht los…

Dann endlich der lang ersehnte Startschuß. Ich bin fit und gesund an der Startlinie – am Vorabend hatte ich zwar noch etwas Kopfschmerzen, ein Aspirin hatte es aber wieder eingerichtet.
Ich bin recht schnell im Lauf drinnen. Ich muss zwar recht bald nach dem Start am 3:30-Pacemaker und der rund um diesen recht großen Gruppe vorbei, die Autobahn bietet dafür aber genügend Platz. Danach geht es gut zu laufen und fühlt sich bei ca. 234-235W recht locker an.

Im Feld sind natürlich recht viele LäuferInnen durch Halbmarathon und Marathon, ich fühle mich aber dadurch nicht behindert und kann weiter meine Leistung laufen. Auch wenn ich das Gefühl habe ständig zu bremsen laufe ich ganz wie von alleine allmählich 236 – 239W. Besonders wenn am Straßenrand eine gute Musik ist bin ich gleich etwas schneller unterwegs und bremse mich dann wieder runter.

Nach ca. 3km habe ich langsam wieder das Gefühl einer vollen Blase, obwohl ich ja extra noch vor dem Start war. Da heißt es jetzt erstmal aushalten. Außerdem ist es mir unter den Armlingen fast schon zu warm. Flott gehen die weiteren Kilometer vorüber, auch das erste Gel und die erste Labe verläuft planmäßig und schon bin ich über die Nibelungenbrücke wieder südlich der Donau.

Nach etwas mehr als 10km ist die erste Staffel-Übergabestelle. Ich schaue ob ich Theo wo sehen kann, kann ihn aber nicht finden, da stehen einfach viel zu viele. Nach wie vor fühlt es sich unglaublich locker an, wie wenn ich beim langen Lauf unterwegs bin – obwohl ich mit einer Pace von ca. 4:35 – 4:40min/km laufe. Überrraschenderweise fröstelt es mich ein wenig und ich bin froh die Armlinge weiter drauf zu haben. Nun wird auch der Harndrang immer größer und an einer Stelle wo gerade keine Zuseher sind biege ich mal kurz in die Büsche am Straßenrand ab um mich zu erleichtern (Dixie-Klo hatte ich vorher keines erspäht). Dann geht es endlich wieder in dieser Hinsicht etwas entspannter weiter.

Schon bald komme ich in die Nähe des Ziels und laufe zum ersten mal die Landstaße am Pflaster entlang bevor ich nach links in die 2. Hälfte abbiege. Dort an der Ecke kann ich auch Veronika, Augustin und Leopold im Zurückblicken sehen, das gibt auch wieder Extra-Energie, denn ganz leicht merke ich erste Anzeichen von Ermüdung Es geht aber wie gehabt weiter. Auch bei der 2. Staffel-Wechselzone sehe ich niemanden der Kinder (Helena kam erst knapp zum eigenen Wechsel hin).

Die 2. Hälfte

Es wird jetzt deutlich ruhiger. Auf der 2. Hälfte sind viel weniger ZuseherInnen und durch den Wegfall der HalbmarathonläuferInnen ist die Strecke viel leerer. Diesen Teil bin ich ja noch nie gelaufen.

Nach Unterqueren der Westbahn kommt die Unionstraße und es geht zu einem Wendepunkt hin und zurück. Hier kann ich auch zum ersten und einzigen Mal einschätzen wie ich in etwa so im Vergleich zu den Pacemakern liege. Ich bin dabei ziemlich in der Mitte zwischen dem 3:15er und dem 3:30er. Ich wäre zwar gerne schneller, aber es passt nach wie vor so wie ich unterwegs bin und könnte auch nicht wesentlich schneller laufen. Auch meine Verpflegung läuft weiterhin wie geplant und ich ziehe alles durch, auch wenn ich die Gels schon langsam leid werde.

Immer wieder mal kommt es vor dass mich wer überholt oder ich wen anderen überhole. Da die ersteren aber meist Staffelläufer sind tangiert mich das nicht besonders.

Kurz nach 28km biegt es in Richtung Wasserwald ab und hier fühlt man sich dann richtig alleine. Nur ganz selten sind kleine Grüppchen am Straßenrand und feuern an. Dafür ist es aber sehr grün rundherum und langsam werden die Beine schwerer auch wenn ich hie und schon Kilometer mit 240 bis 245W unbeabsichtigt eingestreut habe. Es beginnt sich zu ziehen, der Hammermann ist aber nach wie vor nicht in Sicht.

Ein cooler Abschnitt ist ein kleinerer Rad- und Gehweg wo über 100m lang mehrere synchronisierte Boxen aufgestellt sind wo man immer gut beschallt wird, das beflügelt.

Der letzte Abschnitt

Dann kommt endlich die letzte Staffelübergabestelle, ca. nach 36km und hier kann ich erstmalig wen sehen – Nepomuk. Ich fühle mich mittlerweile aber schon etwas k.o. auch wenn die Leistung nach wie vor passt. Kurz danach macht sich mein linkes Knie bemerkbar. Verdammt! Der Schritt wird etwas unrund – hätte ich doch die Bandage nehmen sollen?! Ich versuche mich weiterhin aufs gleichmäßige Laufen zu konzentrieren und nehme nur ganz klein wenig raus (231-233W). Und erstaunlicherweise wird es nach 2-3km wieder besser und stört mich nicht mehr, aber der ganze Körper signalisiert schon dass es genug wäre. Energie habe ich gerade noch, doch nach 36km habe ich keinen Gusto mehr auf ein Gel, das letzte bei 40,5km lasse ich also weg und begnüge mich bei der letzten Labestation mit Iso. Zusätzlich ist mir jetzt mit den Armlingen wieder heiß.

Schon seit ich wieder unter der Westbahn durchgelaufen bin ist es nur noch eine rein mentale Sache das Ding durchzuziehen. Natürlich kommen die Gedanken des Warum auf, doch ich gebe ihnen keinen Platz. Die letzten 5km ziehe ich durch, auch wenn es weh tut!

Ich kann sogar noch einige Staffelläufer überholen und die Leistung ist mit 233 bis 239W auf den letzten Kilometern in Ordnung. Dann endlich das letzte Mal auf die Landstraße einbiegen, das letzte Mal auf dem depperten Pflaster laufen und – endlich – taucht langsam der Zielbogen vor mir auf. Energie für große Zielgesten habe ich keine mehr und höre auch nicht wer mich anfeuert, ich gestehe mir nur ein seliges Lächeln zu (zumindest stelle ich es mir so vor) und trabe ins Ziel. Geschafft! YES!!!

Im Ziel

Zufriedene Gesichter

Durchgezogen! Das sind meine einzigen Gedanken. Endlich ohne Einbruch durchgezogen! Es ist endlich einmal aufgegangen, auch wenn es schlußendlich natürlich hart wurde. Aber es ist gut gegangen. Mit der Zeit von 3:22:38h bin ich zwar auf den ersten Blick nach nicht 100% zufrieden, das legt sich aber schnell wieder und ist dann egal.

Mit der Medaille um den Hals wanke ich zur Zielverpflegung und schütte mir dort gleich mal einen Liter Cola hinein. Mir fröstelt nun ein wenig, dadurch bin ich übers Finishershirt ganz dankbar, das ich mir drüber anziehe.

Beim Verlassen der Ziellabe treffe ich auch Marc und Theo, die zum Glück meinen Beutel dabeihaben sodass ich mir was wärmeres drüberziehen kann. Nach einigem Hin und Her finden wir uns dann doch auch alle wieder zusammen und sind gemeinsam glücklich es geschafft zu haben. 🙂

Die Kinder haben es nach 4:13h geschafft und Marc (der auch der Staffel-Startläufer war) hat den Halbmarathon in 1:49 mit deutlichem negativem Split gefinished!

Daten

Zeit: 3:22:38h
Leistung: 348W (schwächster km 331W, stärkster km 345W)
Pace lt. Garmin: 4:41min/km (langsamster km 4:51min, schnellster km 4:34min)
Distanz lt. Garmin: 43,31km
echte Pace: 4:48min/km
1. Halbmarathon: 1:40:25h (= 4:46min/km)
2. Halbmarathon: 1:42:13h (= 4:51min/km)
Rang gesamt: 386. von 1659
Rang Männer: 351. von 1341
Rang AK: 36. von 125

Da sieht man gut dass ich es echt konstant geschafft habe! Auch der Unterschied vom 1. zum 2. Halbmarathon ist mit weniger als 2 Minuten (1:48) ziemlich gut!

Da ich im Endeffekt zu viele Kilometer drauf hatte hat somit auch die Prognose von 3:14:43 (+-4min) von Stryd bzw. 3:17:35 lt. Garmin nicht gestimmt. Wenn ich aber die Garmin-Distanz gemeinsam mit der Zeit entsprechend reduziere bin ich bei ca. 3:17h – würde also sehr exakt stimmen!

 

Also, der Fluch ist nun (hoffentlich) endlich gebrochen, mal sehen ob da noch mehr geht! 🙂

 

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