Die Vorbereitung auf den Herbstmarathon am Wolfgangsee geht in die Schlussphase. Somit ist das auch die Möglichkeit die Form zu überprüfen – dieses Mal bei einem Halbmarathon,
Ich trainiere ja nach wie vor nach Leistung (Stryd) und im Trainingsplan sind ja alle 4 Wochen Leistungsüberprüfungen drinnen: einerseits immer Mitte der Woche ein 3min all-out-Test und am Wochenende dann etwas längeres: entweder 10 oder 20min oder alternativ geht natürlich auch ein 5km-Test oder auch ein 10er. Ein Halbmarathon ist da eigentlich nicht vorgesehen und wird davon auch abgeraten, ich wollte aber mal schauen wie es sich mitten in der Marathon-Vorbereitung mit dem halben anfühlt – im Gegensatz zum „danach“ im Frühling in Mondsee.
Außerdem bin ich hinsichlich des Wolfgangsees nicht so stark auf eine gute Zeit oder Leistung aus, da es dort angesichts der Höhenmeter und meiner Vorgeschichte mit den massiven Einbrüchen bei meinen 27km-Klassiker-Teilnahmen in 2012 und 2014 vor allem mal um eine mentale Wiedergutmachung geht. Ob ich dabei 5min mehr oder weniger beim ganzen Marathon benötige oder nicht ist egal und ja auch nicht mit Linz vergleichbar. Es wird dann gelten wieder mehr Marathon-Erfahrung zu sammeln um mich die nächsten Jahre weiter zu verbessern.
Doch zurück zur Haager Lies. Vor 4 Jahren war ich bei der Premiere dieser Laufveranstaltung bereits am Start. Damals hat es vor dem Start geschüttet. Dieses Mal ist es jedoch staubtrocken und ein schöner (und im weiteren Verlauf mit 26° auch sehr warmer) Tag steht an. Die Strecke hat sich im Vergleich zu früher leicht geändert. Grundsätzlich ist nach wie vor die aufgelassene Bahnstrecke von Haag am Hausruck in Richtung Neukirchen bei Lambach zu laufen. Doch in Haag ist der Start etwas früher am Radweg und am Ende ist nach einem Wendepunkt das letzte Stück hoch nach Neukirchen zum Ziel zu laufen (2022 war es direkt bei der Bahnhaltestelle).
Der Bus-Transfer nach Haag verläuft für mich schon mal ideal: ich kann für die fast 30min-Fahrt ganz vorne sitzen sodass mir nicht schlecht wird. 🙂
Am Start wird noch etwas aufgewärmt, der Kleiderbeutel abgegeben, kurz mit einem ehemaligen Vereinskollegen gequatscht und schon geht es los. Ich denke dass ich in den ersten 50 irgendwo drinnen sein werde und habe mich entsprechend eingereiht sodass ich gleich von Beginn weg mein Tempo (Leistung ca. 260W) laufen kann. Es fühl sich auch gut an und ich bin sehr schnell richtig einsortiert.
Die ersten Kilometer bergab gehen entsprechend flott dahin (wenn auch ein bisschen langsamer als 2022) mit einer Pace von ca 4:07min/km. Auch die bergauf-Passage bis ca. km 7 kann ich mit knapp unter 260W absolvieren und nehme nacch 6km mein erstes Gel.
Schon seit km 3 laufe ich immer so ca. 20-50m hinter einer anderen Läuferin. Ich komme nicht näher, falle aber auch nicht ab. Das geht so bis km 15. Da nehme ich mein 3. Gel – zum ersten Mal im Wettkampf eines das schon mit etwas zusätzlichem Wasser ist und deswegen eher wie Saft ist. Dabei komme ich der Läuferin auch auf 5m heran. Doch dann geht es plötzlich nicht mehr so gut. Es fangt im Magen leicht zu krampfen an fast so als ob ich das Gel nicht vertragen würde. Auch die Leistung geht auf 250W hinunter und ich habe nun richtig zu kämpfen. In den vielen Sonnenpassagen ist es nun auch richtig heiß und die gefühlt ewig langen Geraden ziehen sich ordentlich.
Dann nach 19,5km (ich bin nur mehr bei 240W!) kommt der kurze Abschnitt zu einem Wendepunkt und zurück. Nach dem Wendepunkt sehe ich auch einige andere Läufer die sicher auf mich auflaufen werden, denn ich kämpfe nur noch ums Überleben. Mittlerweile krampft mein ganzer Rumpf von den Rippen über die Bauchmuskeln und es tut richtig weh. Dann noch die Abzweigung vom Radweg hinauf in den Ort und die Höhenmeter auf der Straße machen es nicht leichter auch wenn es nun nur mehr ein halber Kilometer ist. Die Läuferin ist mir mittlerweile deutlich enteilt (im Ziel ist sie 30s vor mir), aber bei mir geht es nur mehr drum das Ding irgendwie zu beenden.
Dann – endlich – nach 1:33:45h bin ich im Ziel angekommen und brauche dort auch einige Zeit bis ich mit viel Cola auch wieder ansprechbar bin! 10s langsamer war ich als in Mondsee obwohl es dort von den Wetterbedingungen weit härter war. Wirklich zufrieden bin ich nicht, obwohl ich es doch noch immerhin unter 1:34 geschafft habe, das war mein Minimum-Ziel. Insgesamt bin ich auf Platz 40 (von 378) und 10. von 61 in meiner AK. Also eigentlich gar nicht so übel.
Aber gut, was kann ich jetzt davon mitnehmen? Die Form war doch nicht so wie ich gedacht hätte, ich bin es vermutlich etwas zu schnell angegangen (Durchschnittsleistung waren 255W) und mein über den Sommer fehlendes Krafttraining hat sich wohl doch ausgewirkt. Das ist das was mir hinsichtlich Wolfgangsee am meisten Sorge bereitet. Deswegen habe ich mir jetzt noch umso mehr vorgenommen es dort sehr sehr konservativ anzugehen und mit wohl 5-10W weniger zu laufen als wohl eigentlich möglich wäre. Mal sehen – vor allem auch wie die letzten Trainingswochen dann verlaufen. Das Gute ist ja, dass ich durch die dortigen Höhenmeter keinerlei Erwartungen habe sondern nur wieder konstant durchlaufen will – ob schneller oder langsamer ist nicht so wichtig. Es gilt vor allem wieder Marathon-Erfahrung zu sammeln, damit ich doch vielleicht irgendwann einmal in Richtung 3h-Marke gehen kann. Dafür muss ich aber endlich mal auch einen Halbmarathon unter 1:30h ins Ziel bringen!