Andersrad

gleich und doch verschieden

Déjà-vu am Wolfgangsee

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Nach dem erfolgreichen Marathon-Comeback im April in Linz habe ich mir als Höhepunkt für die 2. Jahreshälfte den Salzkammergut-Marathon am Wolfgangsee ausgesucht.

Und das aus mehreren Gründen:

  1. wollte ich noch einen weiteren Marathon in die Beine bekommen
  2. wollte ich meine Ambitionen bedingt durch die Höhenmeter und meist aufkommende mentale Müdigkeit zum Sommerende zurückschrauben
  3. hatte ich dort noch 2 Rechnungen vom 27km-Klassiker offen

Das Training verlief über den Sommer eigentlich recht gut: nur zu Beginn musste ich ein paar Einheiten auslassen, da meine rechte Oberschenkelrückseite zickte und Ende August einen langen Lauf auslassen, da mich die Hämorrhoiden plagten, der Rest wurde voll durchgezogen. Jedoch musste ich mich zu den langen Läufen ganz schön ordentlich aufraffen und hie und da hatte ich wirkliche Probleme die geforderte Marathon-Endbeschleunigung durchzuziehen, sodass ich hin und wieder Pausen machen musste. Aber ansonsten war die CP von Stryd ziemlich gleich wie im Frühling bzw. sogar mit 267W um 2W höher. Auch wenn der Halbmarathon im September auf der Haager Lies nicht so gut gelaufen war wie ich gerne gehabt hätte.

Wie gesagt war keine PB aufgrund des welligen Profils sowie dem 200m-Auf- und Abstieg am Falkenstein zu erwarten, das machte mich insgesamt relativ entspannt um nicht zu sagen entstand dadurch auch ein wenig ein Wurstigkeits-Gefühl. Erst am Tag vor dem Marathon wurde ich etwas angespannter und nervöser und konnte mich nicht gut auf andere Dinge konzentrieren.

Am Wettkampftag bin ich dann früh aufgestanden und mit dem Zug nach Bad Ischl zum Startort gefahren. Dabei hatte ich Glück: denn mein Zug nach Attnang-Puchheim hätte soviel Verspätung gehabt dass ich den Anschluss verpasst hätte – ich konnte aber in den ebenso verspäteten Regionalzug einsteigen und kam somit zeitgerecht nach Attnang.
Der daheim und auch auf der Bahnstrecke herrschende Nebel löste sich dann perfekt kurz vor Bad Ischl auf und ein sonniger, aber mit derzeit 13 und maximal 18°C stand ein angenehm kühler Wettkampftag in Aussicht.

Bei der Startnummernabholung in der Trinkhalle Bad Ischl bekomme ich zusätzlich auch noch einen Beutel für die Garderobe und fühle mich durch die Aussage (die jede/jeder AthletIn erhält) „zur Tür hinaus und dann rechts“ doch recht deutlich an „das Leben des Brian“ erinnert – einzig „jeder nur ein Kreuz“ fehlte noch. 😉

Es geht wieder los!

Ich reihe mich unter den ca. 300 StarterInnen im vorderen Bereich ein und komme auch gut hinein. Ich will ja eher konservativer beginnen, da ich vor dem Falkenstein und den Wellen danach doch gehörigen Respekt habe. Dh also auf der ersten Hälfte eher zwischen 230 und 235W und auf der 2. Hälfte dann 235 bis 241W. Soweit zum Plan.

Ganz gelingt es mir nicht – im Schnitt bin ich bis zum Anstieg Falkenstein mit 236W unterwegs, habe aber einen sehr guten Rhythmus gefunden und fühle mich auch gut dabei. Zum ersten Mal kann ich die 3km nach St. Wolfgang hinein mit guten Beinen laufen, das ist auch schon mal gut für den Kopf. (Die anderen beiden Male waren immer am Ende vom 27km-Lauf und ich musste da großteils gehen.) Doch ich muss noch einmal um den ganzen See laufen bevor ich dieses Stück noch ein 2. Mal heute absolvieren muss. Außerdem nutze ich noch die Leere der Strecke um einmal kurz auszutreten.

Es vermischt sich

Die ersten 15km sind wir MarathonläuferInnen ja unter uns und auf der Strecke hat es sich auch angenehm ausgedünnt: man ist nicht ganz allein, aber es ist ausreichend Platz. In St. Wolfgang geht es dann im Ort kurz parallel zum Zieleinlauf bzw. dem Startfeld für den Klassiker, die in 3 Blöcken mit 4min-Abstand starten, vorbei. Leider bin ich einen Hauch zu langsam und laufe genau auf die letzten LäuferInnen vom ersten Block auf. Nun gilt es sich durch ganz viele andere durchzuschlängeln, denn lt. meiner geplanten Leistung bin ich schneller als die.

Dann geht es endlich hoch zum Falkenstein. Ich bin nach wie vor gut drauf, habe auch meinen Plan alle 24min ein Gel zu nehmen (habe ich auch auf der Uhr so eingestellt) bisher perfekt ausgeführt. Im Gegensatz zu den meisten anderen laufe ich kontinuierlich hoch statt zu gehen – egal ob Asphalt oder Schotterweg. Es geht nach wie vor gut, auch wenn es natürlich anstrengend ist. Aber ich habe immer wieder meine Leistung um Blick um nicht zu überziehen, bin sogar knapp unter 230W im Anstieg.

Dann endlich oben angekommen geht es schnell wieder abwärts. Ich wusste das würde der anstrengendste Part werden – aber in meiner Erinnerung war es nicht ganz so extrem steil und lang wie in der Realität. Ich versuche zu bremsen und kontrolliert zu laufen was nur geht, aber die muskuläre Belastung ist die Hölle. Ich habe das Gefühl meine Oberschenkel sind kurz vor dem Platzen und meine Kniescheiben vor dem Herausspringen. Und trotzdem gibt es einige die bergab geradezu an mir vorbeifliegen. Na wui!

Nach einer gefühlten Ewigkeit bin ich wieder auf See-Niveau und bin froh die Beine ein bisschen entlasten zu können. Aber ich merke schon dass es sich nun ganz anders läuft als vor dem Falkenstein. Es wird anstrengend dabei sind noch mehr als 20km zu laufen.

Der Kampf beginnt

Kurz vor St. Gilgen treffe ich Wolfgang auf der Strecke der zum Saisonausklang (nach Langdistanz-Triathlon) den Klassiker läuft. Wir laufen ein bisschen nebeneinander und unterhalten uns, es wird aber schnell unsausgesprochen klar dass er schneller ist als ich und wir trennen uns.

Nach gesamt 2 Stunden beginnt mein erster Abschnitt mit leicht erhöhter Intensität. Die kann ich mit 236W noch gut bewerkstelligen, aber es wird hart. Es sind aber erst 28km gelaufen. Es geht noch mit ähnlichem Tempo weiter aber nach 30km und bei Gschwand muss ich eine weitere Pinkelpause einlegen. Sie wäre zwar nicht unbedingt nötig gewesen, aber ich brauche die kurze Erholungszeit. Leider ist es nun exakt so wie ich es vor 12 Jahren beschrieben hatte und ich kann den Absatz von meinem damaligen Bericht 1:1 hier hineinkopieren, die Kilometerzahl ist zwar eine andere, aber es sind genau gleich viele ins Ziel wie damals:

„Bis km 15 kann ich das Tempo in etwa halten, dann beginnt (wieder) die Quälerei. Ich arbeite mich von Labe zu Labe weiter. Dazwischen laufe ich durch. Bei den Laben trinke ich in Ruhe während ich gehe. Doch die Beine werden schwerer und schwerer. Hinzu kommt die Demotivation dadurch dass ich nun nahezu kontinuierlich überholt werde. Und das auch noch von LäuferInnen die ich wohl normalerweise wenn nicht in die Tasche stecken dann doch zumindest hinter mir lassen würde. Verdammt.“

Es gibt aber auch noch andere Läufer denen es ähnlich geht und denen ich immer wieder mal begegne: sie gehen und ich trabe sehr langsam, aber laufend, an ihnen vorbei. Dann laufen sie wieder an mir vorbei. 5 Mal muss ich abseits der Laben eine kurze Gehpause einlegen, ich halte sie mit maximal 10s aber immer sehr kurz bevor ich wieder anlaufe. Insofern läuft es da also besser als früher denn da konnte ich am Ende einfach nicht mehr und musste (viel) gehen. Vielleicht bin ich nun auch einfach im Kopf stärker um es (langsam) durchzuziehen. Das habe ich in Linz ja auch geschafft.

Dann nach vielem Kampf und leider vorbei an 2 von Rettung und Notarzt versorgten Läufern bin ich nun endlich zum 2. Mal in St. Wolfgang. Das letzte Stück geht es noch mal relativ steil eine Straße hinunter wo ich aufpasse dass mir nicht auf den letzten Metern noch ein Mißgeschick aufgrund versagender Muskulatur passiert, dann habe ich es geschafft: ich habe den Salzkammergut-Marathon bezwungen!

Mit einer Zeit von 3:46:07h bin ich eigentlich recht zufrieden, schließlich war mein Erwartungsspektrum zwischen 3:30 und 4:00h gelegen.

Ein paar Daten:

Erste Hälfte (inkl. Falkenstein): 1:50:58h – Pace 5:11min/km – Leistung 230W (bergab hat den Schnitt deutlich gesenkt)
Zweite Hälfte (inkl. Einbruch): 1:55:09h – Pace 5:24min/km – Leistung 208W
gesamt 3:46:07h – Pace 5:21min/km – Leistung 219W

Platz 53 gesamt von 289 ins Ziel gekommenen, männlich 47. von 215, AK 6. von 22 – also eigentlich gar nicht so übel, da hat es andere auf der 2. Hälfte noch mehr zerlegt als mich…

Von den lt. Stryd vorhergesagten 241W war ich aber dann doch deutlich weg, aber gut, hatte ja auch Gründe…

Ausblick

Schon beim Abstieg vom Falkenstein war eindeutig klar: nie wieder! Und die Strapazen danach haben das noch unterstrichen. Auch im Ziel und bei der Heimfahrt hat sich das nicht geändert. Doch bereits am Tag danach beim ausgiebigen Studieren der Ergebnislisten kommt doch wieder eine Lust auf Wiederholung auf. Von der Kulisse und dem Gesamteindruck ist es einfach ein verdammt cooler und schöner Lauf! Und irgendwann werde ich das schon hinbekommen auch auf den letzten 12km noch Leistung zu bringen. Ich muss halt diesen Abstieg noch viel spezifischer trainieren damit ich da ohne große Probleme wieder auf den „normalen“ Teil der Strecke zurückkomme.

Doch jetzt heißt es erst mal Saisonpause und ordentlich regenerieren! Und dann wird mal wieder Tempo gemacht – denn noch mehr im Tempo-Grenzbereich hat mir eindeutig in lezter Zeit gefehlt und schließlich brauche ich das auch wenn ich mein Ziel einen Marathon (aber nicht am Wolfgangsee) unter 3 Stunden zu laufen erreichen möchte. 3 Jahre gebe ich mir da noch (bis zum 50er). Mal schauen ob ich nächstes Jahr wieder einen Sprung in die richtige Richtung schaffe!

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