Andersrad

gleich und doch verschieden

Lehrgeld

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Der Gmunden 5000er war mein erster Bahnlauf. Wieder einmal mit den größten Hoffnungen angereist hab ich bewiesen wie man es sich selbst vermurxen kann… 😉

Der Wettkampftag verläuft dann doch eher suboptimal: Morgens noch kurz vor dem Frühstück 1,6km laufend auslockern (mein Start ist ja erst für 19:50 Uhr angesetzt), nachmittags dann bei schwül-heißem Wetter am steilen, sonnenüberfluteten und windstillen Südhang Rasen mähen, dass mir der Schweiß nur so in Strömen runterrinnt und schließlich lasse ich es mir nicht nehmen die 20km nach Gmunden mit ca. 200 Höhenmetern zu radeln.
Immerhin habe ich bei der Anfahrt Glück und das Hagelgewitter geht ca. 1h vor meinem Aufbruch nieder…

So, ich bin in Gmunden nach einer kleinen Extra-Schleife um das Stadion zu suchen angekommen, die Startunterlagen sind abgeholt und ich sehe dem Lauf der Top-Athleten (Zielzeit zwischen 14:30 und 17:00 Minuten) zu. Obwohl ich ja weiß was die für ein wahnwitziges Tempo laufen, das ich nicht mal ansatzweise draufhabe (bestenfalls auf 100m) sieht es gar nicht soo schnell aus.

Aber gut, 1 Lauf kommt jetzt noch bevor ich dran bin, also schnell aus den Radklamotten in die Laufklamotten und ab zum Einlaufen. Aufwärmen wäre da eher der falsche Ausdruck, denn durch die Rad-Anfahrt bin ich glaube ich ganz gut aufgewärmt. 😉

Schneller als gedacht vergeht die Zeit bis zum Start und dann geht es auch schon mit ca. 20 anderen auf die 12,5 Runden a 400m. Von den Richtzeiten her alles LäuferInnen zwischen 19:00 und 20:00. Letzteres ist auch mein Ziel, genauergesagt eher sogar etwas drunter bzw. so in der Gegend von ca. 19:40min. Die ersten Runden komme ich ganz gut in den Lauf und bleibe direkt hinter den schnellen Damen. Von denen habe ich letztens in Attnang beim Stadtlauf eine eine Runde lang gezogen (dort mussten die Damen 2 Runden = 6,7km, die Männer 3 Runden = 10km laufen), deswegen sollte sie ein ganz guter Anhaltspunkt für mich sein. Ebenso läuft da auch ein ULC Gamperner, den ich in Attnang ebenso knapp biegen konnte.
Das Tempo ist allerdings für meine Verhältnisse enorm. Mit bis zu 3:48min/km geht es dahin. Und ich versuche dran zu bleiben. Ein Fehler.

Langsam wird die Umgebung unklarer und auch beim eigenen Rundenzählen bin ich mir nicht mehr 100% sicher wo ich eigentlich bin. Zum Glück wird mir jede Runde gesagt wie viele noch zu laufen sind, sonst würde ich das sicherlich vergeigen. Ich schätze aber, dass es so ca. nach der 5. Runde (ca. nach 2000m) oder so gewesen sein muss, dass ich abgerissen habe. Erst noch nicht so viel, doch Runde für Runde kommen ein paar Meter dazu. Das Tempo wird langsamer. Bei der Hälfte steht zum 1. Mal eine 4 vorne bei der Pace. Und die geht auch nicht mehr wirklich weg.

Jetzt geht es nur noch ums irgendwie durchhalten. Das Tempo kann ich noch unter 4:10 halten, doch der „Vorsprung“ auf die Sub20 schmilzt dahin. Immer wieder überholen mich Läufer und -innen. Ich habe keine Chance dran zu bleiben.

Noch 2 Runden. Zach. Der Tunnelblick ist längst da, ich sehe nur mehr die Bahn vor mir und die Hütchen in der Kurve. In der Nähe des Starts stehen Zuschauer, sehen tu ich keinen mehr davon, aber ich kann sie hören. Das macht Mut.

Letzte Runde. Bei 18:33 gehe ich durch. Da wird verdammt knapp bzw. wird sich nicht ausgehen mit den Sub20. Meine letzten Rundenzeiten waren 1:40, die ersten bei 1:31. Ich will noch einmal beschleunigen und das letzte herausholen. Vielleicht geht ja noch was. Von den Beinen her fühle ich dass es möglich wäre. Doch schon nach der ersten Kurve steigt die Übelkeit brachial auf. Es reckt mich. 1 Mal. 50m weiter noch einmal. Und nach der 2. Kurve wieder. Es geht einfach nicht schneller wenn ich noch alles bei mir behalten möchte. Auf der Zielgerade überholt mich noch jemand. Das tut weh, aber irgendwie ist es auch egal. Ich trabe ins Ziel mit einer 20:07. Doch irgendwie ist mir das nun auch wurscht.

Oberste Prio ist vorderhand einmal den Magen wieder einzurenken. Vielleicht hätte ich doch nicht das Gel vor dem Rennen nehmen sollen. Den Geschmack habe ich beim Aufstossen wieder im Mund gehabt. Zum Glück ist aber recht schnell wieder alles im Lot. Schnell werfe ich mich wieder in die Radkluft, schleiche mich hinaus und düse am Rad nach Hause.

Fazit

Persönliches Ziel eindeutig verfehlt. Enttäuscht. Abgehakt. Die Erfahrung war es eindeutig wert, schließlich war es kein A-Wettkampf. Auf mich selber und die geplante Pace zu schauen ist halt doch immer sinnvoller als sich an den Gegnern zu orientieren, egal wie kurz oder lang ein Lauf ist.

Ob ich den Bahnlauf wieder mache weiß ich noch nicht. So wie ich mich kenne aber vermutlich schon, schließlich muss es noch eine Revanche geben. 😉