Andersrad

gleich und doch verschieden

Steeltownman 2015

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oder: die Bleiente geht weiter ihren Weg!

Overtüre

Letztes Jahr war ich bereits hier am Pichlinger See und ausgestattet mit einem abgespeckten Alltagsrad absolvierte ich meinen ersten Triathlon. Einen Riesenspaß hatte ich dabei – Grund genug also es heuer wieder zu machen. Nur diesmal nicht der Sprint, sondern ich durfte bei den größeren Kindern auf der olympischen Distanz mitspielen.

Ungewöhnlich dabei ist allerdings die späte Startzeit – erst um 16 Uhr! Noch dazu an einem verdammt heißen Tag. Wie verbringt man so einen ohne sich schon vorher abzutöten und gleichzeitig die Spannung zu erhalten?!
Nachdem Peter Greif in seinen Lauf-Einsatzplänen immer reinschreibt dass man noch 1-2km vor dem Frühstück laufen soll wenn der WK nach 14h ist mache ich das also auch und schwitze bei schwül-heißen Bedingungen schon mal die ersten Milliliter aus.

Anschließend kann ich wenigstens noch Olympe auf Hochglanz bringen, damit sie nicht wie ein Schmutzfink unter all den flotten Tria-Bikes in der Wechselzone stehen muss. Wenn zusätzlich noch ein Kind wohin gebracht werden muss (natürlich per Rad!) vergeht die Zeit dann eh wie im Flug und schon sitze ich im Zug nach Linz und vertilge als Steeltownman-Henkersmahlzeit noch eine Portion Risotto.

Vom Linzer Hauptbahnhof geht es dann zur Einstimmung lockere 12km zum Pichlinger See. Dabei treffe ich sogar noch einen anderen Triathleten, dem ich einige Zeit lang hinterherfahre bevor ich bei einer Ampel abgehängt werde. Macht aber nichts, den restlichen Weg finde ich auch alleine. Als ich ankomme ist gerade der Sprintbewerb im gange – eine Premiere für mich, denn ich habe noch nie(!) einem Triathlon zugesehen. Als ich ankomme kann ich die Wechselzone beobachten wie die besten vom Radfahren retour kommen und sich fürs laufen herrichten. Übermäßig schnell sieht das auch nicht aus – zügig und zielstrebig ja, aber nicht so abartig viel schneller als gedacht.

Nachdem der Sprint vorbei ist kann ich endlich in der Wechselzone einchecken. Es sind hier Reihen für die verschiedenen Startnummern vorgesehen, eine genaue Aufteilung welche Startnummer wo platziert ist gibt es nicht, aber man kann sich in etwa richten wo man sein sollte. Dadurch habe ich gleich einmal das Glück nahe an den Bäumen zu sein wodurch mein Plätzchen im Schatten sein wird. Gerade an so einem heißen Tag nicht zu verachten – vor allem da dann die Getränke in den beiden Trinkflaschen zumindest nicht kochen werden.

Alles ist eingerichtet – am Rad habe ich 2 Gels zwischen Steuerrohr und Kabel geklemmt, ein weiteres liegt in meiner Laufkappe bereit, eine Trinkflasche ist voll mit Iso, in der anderen ist Wasser. Das sollte hoffentlich reichen. Eine Premiere feiert auch mein Sattel-Notfalltäschchen mit Pumpe, Schlauch und Werkzeug – das ist gerade einmal 2 Tage alt und soll mir im Fall des Falles eines Patschens aushelfen.
Sonnencreme habe ich aufgetragen und dabei meinen neuen Zoot-Zweiteiler (will ich im Vergleich zum Hofer-Einteiler testen wie er sich im WK anfühlt) gleich einmal mit eingeschmiert.

Trinkflasche und 1 Gel nehme ich noch für vor den Start mit und dann gehts nach der obligatorischen Wettkampfbesprechung und dem Einschwimmen (somit habe ich heute bereits aufgeteilt einen kleinen Triathlon erledigt 😉 ) bei einer Wassertemperatur von > 25°C natürlich ohne Neo los!

Schwimmen – besser als zuletzt, aber ausbaufähig

Um nicht in die selbe Atemnot wie in Linz zu gelangen versuche ich von Anfang an lange, ruhige Kraulzüge zu machen. Das gelingt sogar auch einigermaßen. Aber das Startgerangel ist einfach immer nur nervig. Von links und rechts ziehen sie vor mir zusammen, sodass ich einfach auch stoppen muss, da ich sonst absolut keinen Platz habe. Von hinten wird mir auch regelmäßig auf die Beine geschlagen, sodass mein ganzer Körper geneigt wird! Wie man dabei eine gute Wasserlage zusammenbringen soll habe ich noch nirgends gelesen!

Auch nach der 1. Boje (ca. 250m) wird es nicht viel besser – es ist zwar nun ausreichend Platz, aber hinter mir schwimmt ständig einer der mir auf die Füße schlägt- Grrr!! Als mir das zu bunt wird mache ich einmal ein paar starke Beintempi – einerseits um dem Schläger hinter mir zu sagen: F*** off! Und vielleicht auch so bisschen Abstand zu schaffen. Und siehe da – es gelingt!

Nach einer gefühlten Ewigkeit komme ich endlich wieder an Land – und dann geht es in die 2. Runde. Uiuiui, wie soll das gutgehen! Das war in Mondsee angenehmer, da dort nach dem Landgang nur mehr 500m übrig waren und nicht nocheinmal das ganze.

Aber auch das geht vorbei und nach einigem Zickzackschwimmen werde ich doch endlich in Ufernähe von den Helfern wie ein gestrandeter Wal an Land gezogen. Zeit nach dem Schwimmen: 31:33 – Platz 116. (von 182), also wieder mal eine klassische Bleiente. Und doch hat sich der gesteigerte Schwimmumfang in den letzten 4 Wochen nach dem Linztriathlon ausgezahlt: es fühlte sich weit besser an und schneller (ca. 1min auf 750m) war ich obendrein!

In T1 läuft alles wie am Schnürchen – die Wege hatte ich mir beim Einrichten nochmal extra genau angesehen – Badekappe und Brille weg, Brille auf, Helm auf, Startnummer auf, Rad runter und raus! Zeit: 44s und 2 Plätze gutgemacht.

Radfahren – Olympe zeigt wieder ihre Zähne

Nach dem Aufsteigen aufs Rad brauche ich etwas bis ich in den zuvor eingeklickten Radschuhen drinnen bin (Gummiringerl hatte ich keine verwendet), werfe ein Gel ein und dann geht es wieder ab! Der Plan ist es auf den 4 Runden es hitzebedingt etwas konservativer anzugehen. Die Strecke kenne ich zwar, doch war das letztes Jahr ein ganz anderes Tempo. Und es sind doch ein paar schärfere Kurven dabei. Dafür ist alles schön flach, sodass man richtig bolzen kann.

Doch schon bald merke ich dass es sich am Rad wieder super anfühlt. Es geht wieder deutlich über 30km/h! Nach ca. 8km verliere ich auf einem holprigen Stück leider mein verbliebenes Gel, aber nachdem ich ja bereits eines intus habe und in der Wechselzone noch eines bereit liegt bleibe ich sicher jetzt nicht stehen bzw. fahre zurück. Außerdem komme ich da eh noch 3 Mal daran vorbei sodass ich es aufheben kann wenn es nötig ist.

Die erste Runde ist nach nicht einmal 18 Minuten wieder vorbei  – dabei kann ich mich wieder ein paar Plätze verbessern. Die 2. Runde startet zwar mit einer Überrundung – der spätere Sieger Paul Ruttman fliegt an mir vorbei – wird aber noch besser – langsam nähert sich die Durchschnittsgeschwindigkeit den 35 km/h an! Immer wieder kann ich andere Athleten überholen, denen dann selbst ihre aerodynamischen Trinkflaschen und Scheibenräder nichts nutzen. 😉

Mein Iso in der Trinkflasche schmeckt zwar nicht so toll – ist gelb und sehr warm (woran erinnert das bloß?!), aber die immer wieder (ca. alle 10 Minuten) erfolgten Schlücke geben Kraft. Zusätzlich spritze ich mir noch etwas Wasser (zwar ebenfalls warm, aber egal) aus der anderen Flasche am Ende der 4. Runde in den Nacken, damit ich es nicht ganz umsonst mitgeschleppt habe.

Kurz vor dem Wechsel dann eine Schrecksekunde: es gibt hier eine Haarnadelkurve zu durchfahren. Gedanklich bin ich wohl schon die 500m weiter beim Wechsel als ich die Haarnadel etwas zu eng durchfahre und mit dem Pedal am Boden streife – es gibt ein kurzes Knirschen, das Rad verreißt es, aber ich kann im Sattel bleiben und komme schnell wieder auf Linie. Glück gehabt! Vor allem war auch gerade niemand vor oder hinter mir.

Die letzten Meter bis zum Wechsel ziehe ich mir wieder die Schuhe aus und steig auf diese drauf. Vor der Linie bremse ich perfekt hinunter und dann will ich auch schon in die Wechselzone hineinlaufen als ich hinter mir noch einen kurzen Schrei eines Helfers höre und ich im Umdrehen bemerke dass ich wie in Linz wieder den linken Radschuh beim Absteigen verloren habe. Somit also nochmal 3 Meter mit Rad retour bevor es dann zum Wechsel geht. Die Radzeit war wieder Top für mich! Schnitt über 35km/h und 67. Radzeit insgesamt – ergibt zwischenzeitlich den bereits 85. Rang und somit beinahe 30 überholte AthletInnen. Und ich hätte locker noch weitere Runden in dem selben Tempo fahren können!

T2 läuft auch wie es soll – Rad eingehängt, Schuh hingeschmissen, Helm und Brille ab, hinein in die Laufschuhe mit Schnellverschluss, Kappe auf, Gel in die Hand (bzw. stecke ich es in weiterer Folge in eine Seitentasche meiner Hose) und schon geht es wieder hinaus. Zeit im T2: 48s und wieder um 5 Plätze verbessert. Überhaupt sind die Wechsel geradezu perfekt verlaufen. Ich verliere hier nur insgesamt 20s auf den Sieger!

Laufen aka Sauna

Für die Laufstrecke (es gilt 3 mal um den Pichlinger See zu laufen) habe ich mir bereits am Rad überlegt es angesichts der runterknallenden Sonne und entsprechender Hitze ruhig angehen zu lassen. Doch wie immer haben die Beine einen anderen Plan und lassen erst mal richtig laufen – 4:30 bzw. 4:36 auf den ersten beiden Kilometern!

Doch ich merke bereits dass das auf Dauer nicht gutgehen kann. Die Hitze ist brutal und nachdem kaum Schatten auf der Runde ist frage ich mich bereits nach der ersten halben Runde wie ich den ganzen Lauf durchstehen soll. Vor allem fliegt dann auch wieder Paul Ruttmann (= der Sieger) auf seiner abschließenden Runde vorbei, was zwar toll zum Zuschauen ist aber die eigene Motivation nicht gerade fördert, da ich ja noch einiges vor mir habe. Zusätzlich beginnt sich auf meiner rechten großen Zehe eine Blase zu bilden.

Aber obwohl ich Tempo rausnehme und mich langsam aber sicher auf einer Pace über 4:50 (aber unter 5:00) min/km einpendle bin ich doch anscheinend stärker als so manch anderer und überhole genau wie am Rad regelmäßig. Und werde im Gegenzug nur kaum überlaufen. Doch es ist zäh, verdammt zäh. Jeweils am Ende einer Runde habe ich trotz Hitze eine Gänsehaut.

In Runde 2 überrundet mich auch noch die weibliche Siegerin – niemand geringerer als Natascha Badmann, ihres Zeichens 6-fache Siegerin in Kona auf Hawaii!! Und vor allem supersympathisch und umgänglich wie ich vor dem Rennen und im Ziel festgestellt habe!

Uff, eine Runde noch! Die beiden Wasserduschen pro Runde sind jedesmal Labsal auf dem glühenden Körper, zusätzlich leere ich auch immer Wasser über Kopf und Nacken. Die Schritte werden nach und nach langsamer und endlich darf ich rechts ins Ziel abbiegen. Da lauert noch eine kurze, fiese Grasstufe bevor endlich der blaue Teppich kommt. Dann ist es endlich geschafft! 2:31:20 ist meine Zielzeit. Ich wäre zwar gerne unter 2:30 geblieben, das war aber angesichtes des 49:13-Laufsplits in der Affenhitze nicht möglich.

Im Ziel beginnt dann auch mein Magen zu rebellieren – wieder einmal. Ich schaffe es aber alles drinnen zu behalten. Auch im Ziel gibt es eine Dusche – die beste Idee überhaupt! Und bringt wieder etwas Leben in den Körper… Vor allem das Ausziehen der Schuhe ist eine Wohltat. Die Blase ist zum Glück nicht blutend und das kühle, wassergetränkte Gras einfach nur herrlich zum drin stehen.

Am Ende bin ich auf Platz 59 (von 282 – also beinahe in den Top 20%!) gelandet – eine Hammerplatzierung! Obwohl das Laufen nicht so ganz nach Wunsch verlief bzw. einfach nur langsamer als geplant war hatte ich da die 53. Laufzeit hingesetzt und nochmals 21 andere überholt.

Doch in Hinsicht auf den Saisonhöhepunkt – die beiden Mitteldistanzen – bin ich noch skeptisch. Ob ich das durchstehen kann? Das werde ich wohl dann am 19.7. in Obertrum erfahren. Ich denke aber dass mein Grundlagen-Rüstzeugs dafür ausreichen müsste…

 

P.S.: das verlorene Gel habe ich mir nachher natürlich wieder geholt – wäre ja schade drum… 😉