Andersrad

gleich und doch verschieden

#linzwien

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Wenn schon die geplante Langdistanz ausfallen musste kann man sich ja Alternativbeschäftigungen suchen. In meinem Fall war das Ende Juni die Kombination von einer Familienfeier mit einer Anreise per Rad. An und für sich nichts gravierendes, nur war die Feier mehr als 200km entfernt…

Genauer gesagt mit dem Rad sogar 300km, allerdings war mir das dann doch ein wenig zu viel und es wäre sich auch zeitlich nicht rechtzeitig ausgegangen. Deshalb habe ich die Strecke um ca. 70km verkürzt und bin mit dem Zug nach Linz gefahren und von dort aus ging es dann am Donauradweg gen Wien los.

Vom Linzer Bahnhof weg geht es zuerst sehr oft unterbrochen durch Ampeln Richtung VOEST bzw. Donau. Dass die Linzer keine vernünftigen Ampelschaltungen zusammenbringen nervt mich bereits seit Jahren: es wird grün, man fährt an und bremst bei der nächsten Ampel wieder ab weil es kurz vorher rot geworden ist. Egal ob man langsam oder schnell von einer Ampelkreuzung zur nächsten fahren möchte, das Stehen ist garantiert. Wirklich nervig.

Die Vorfreude auf den Donauradweg steigt somit alle paar 100 Meter bei jedem weiteren Stopp an…

Bei Steyregg fahre ich dann endlich über die Donau und kann nach Abwurf der Armlinge und der Windweste (morgens um 5:00 Uhr war es daheim doch noch sehr frisch!) endlich richtig losstarten. Laut Plan sollten es ca. 210km sein, die ich zuerst auf der linken Donauseite bis Melk, danach am rechten Donauufer bis Zwentendorf und dann abzweigend vom Donauradweg durch den Wienerwald in Richtung Südwesten von Wien absolvieren wollte.

Die ersten Kilometer geht es dann auch endlich gut dahin. Das Wetter ist heute nahezu ideal, immer wieder ist es leicht bedeckt, aber garantiert trocken und die Temperatur auch nur so zwischen 20 und 25°C.

Beim Kraftwerk Abwinden-Asten nach gerade einmal 14km habe ich dann einen ersten kleinen Verhau und einen Umweg von 1km, da ich nicht abbiege sondern geradeaus weiterfahre. Immerhin bin ich rechtzeitig draufgekommen, aber dass ich am am besten ausgebauten und meist befahrenen Radweg Österreichs mich verfahre sagt schon etwas aus… 🙁

Anschließend geht es wirklich gut dahin. Ich trinke ausreichend und werfe nach jeweils 1h immer auch einen Riegel ein. Der Schnitt geht dann bis Melk auch wirklich schön in die Höhe und bewegt sich über 30km/h – kein Wunder bei nahezu keinem Wind und flußabwärts. Gepäck habe ich ja auch keines mitzuschleppen.

In Melk nach ca 105km und somit ca. der Hälfte mache ich dann eine kurze Pause und laße die Beine die schon bisschen müde wurden etwas ausruhen bevor es dann in die Wachau weitergeht.

Doch plötzlich geht es nicht mehr wirklich gut, alles fühlt sich schwer an und ich bin über jede Pause (wie zum Beispiel beim Flaschen befüllen in Aggsbach) heilfroh. Außerdem ist mit Beginn der Wachau Wind aufgekommen der mir gefühlt eher streng ins Gesicht bläst und mich zusätzlich auspumpt.

Kurz gesagt, die von mir eigentlich als kleines Highlight gedachte Wachau wird eher zum Tiefpunkt. Jedes Mal wenn die Uhr piepst weil wieder 5km vorbei sind denke ich mir „Ja, nur mehr 90, 85, 80… km“ – aber der Weg ist immer noch so weit…

Kurz vor Zwentendorf sind die Beine nun schon wirklich sehr leer und ich frage mich ob ich es überhaupt noch schaffen kann. Deshalb gönne ich mir ein zweites Päuschen, werfe Riegel und Gel ein und schließe kurz auf einer Bank am Donauradweg liegend die Augen.

Diese paar Minuten waren wirklich wichtig. Danach bin ich zwar nach wie vor müde, aber das Kurbeln geht nun wieder viel leichter.

Ca. 20km später bei ca. 180km ist der Donauradweg für mich heute dann endlich vorbei – ich sehnte mich schon danach endlich abzweigen zu können! Nun geht es nahezu direkt nach Süden und der Wind tut nun auch endlich etwas für mich und schiebt mich etwas an. Diese 1okm gehen nun auch wieder deutlich leichter und machen Spaß – vor allem habe ich nun auch für den Kopf etwas neues, da ich mich orientieren muss. Daheim hatte ich mir im Vorfeld auf der Karte angesehen wie ich fahren muß und diese Orte suche ich nun bei den diversen Wegweisern und arbeite mich so Kilometer für Kilometer vor.

Ich weiß dass noch eine größere Steigung auf mich wartet, aber als es dann soweit ist macht mir diese gar nicht soo viel aus – ich kurble Meter für Meter relativ gemütlich hinauf und mir ist es egal dass meine Durchschnittsgeschwindigkeit nun bereits unter 30km/h gefallen ist.

Nach fast 10km ansteigend bergauf bin ich aber dann doch froh, dass ich endlich die Kuppe erreiche und es Richtung Pressbaum wieder hinuntergeht. Ich bin bereits bei 200km vorbei und stelle fest, dass es sich NICHT mehr nur 10km bis zu meinem Ziel sein werden, sondern wohl doch eher mindestens 20km.

Dafür kenn ich nun die restliche Strecke, die ich vor 20 Jahren schon bei einem Ferialjob regelmäßig gefahren bin: nach dem Wienerwaldsee geht es noch kurz bergauf bevor es dann die letzten 10km im Grunde nur mehr bergab geht.

Gestärkt durch ein paar Traubenzucker geht es dann da auch endlich wieder gut dahin und nach guten 7,5h Fahrtzeit erreiche ich nach 221km endlich mein Ziel! Mit der Geschwindigkeit von 29,4km/h bin ich ganz zufrieden, denn die 2. Hälfte war ja doch eine ziemliche Quälerei, da halfen auch die insgesamt 5 Riegel, 3 Gels, 2 Traubenzucker, 1 Banane sowie 2l Iso und 1l Wasser nicht mehr soviel weiter, da war ich doch schon relativ platt und merkte dass ich vielleicht im Frühjahr doch die ein oder andere längere Tour hätte fahren sollen…

Aber der Sommer hat ja gerade erst begonnen, vielleicht kommt ja doch noch einmal was, muss ja nicht unbedingt ein Wettkampf sein. 🙂

 

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