Andersrad

gleich und doch verschieden

Endlich mal ein angepasstes Bike

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Seit mehr als 2 Jahren spiele ich mit dem Gedanken ein Bike-Fitting zu machen, dh zu einem Spezialisten zu gehen der mein Rad auf mich optimal anpasst und einstellt. Damit ich auch wirklich das beste aus meiner Zeit im Sattel herausholen kann. Nun habe ich zwar erst nach(!) einem meiner Saison-Höhepunkte – der Trumertri Triplewertung – die Zeit dafür gefunden, aber hauptsache ich habe sie gefunden! Schließlich ist das ja auch vor allem für mein nächstjähriges Ziel – die Challenge Roth  aka #ironsheep – von großer Bedeutung!

Vorab

Der Termin bei Gernot Lettner von bikeworx.at ist schnell ausgemacht: E-Mail-Anfrage – Rückruf von Gernot – Termin 3 Tage später. Unglaublich einfach. Er meinte zwar dass ihm ein anderer Kunde ausgefallen wäre, weswegen ich nicht sagen kann ob es immer so schnell geht – für mich ist das aber einfach ideal dass ich nicht lange darauf warten muß.

Die Auswahl des richtigen Bike-Fitters habe ich vorwiegend einmal der örtlichen Nähe überlassen. Bikeworx ist in Thalheim bei Wels zu Hause – also von mir relativ ums Eck. Gleichzeitig sind da aber ganz gute Referenzen auf der Website gelistet, die sich ein bisschen wie ein Who-is-Who der österreichischen Radfahrszene lesen: Lukas Pöstlberger (heuer Giro-Etappensieg), Wolfgang Fasching (mehrfacher RaceAcrossAmerica-Sieger und Extrem-Radler), Martina Ritter (mehrfache EZF-Staatsmeisterin Ö) und weitere – da könnte ich sicherlich in schlechtere Hände geraten!

Auch preislich schreckt es mich mit 200 € nicht unbedingt – das ist bei den meisten Anbietern in etwa ähnlich. Wenn man noch ein 2. Rad mitbringt kann dieses für weitere 150 € adaptiert werden. Zeitlich veranschlagt Gernot 1,5 – 2 Stunden. Je nachdem wieviel angepasst werden muß.

Erstanalyse

Vorort angekommen wird mein Rad gleich einmal in eine feste Rolle eingespannt und verschiedene Daten von mir erhoben: Umfang meines Radtrainings, geplante und vergangene Wettkämpfe, Beweglichkeit und Mobilität (bei gestreckten Beinen Zehen mit Fingern berühren – kann ich nicht; Pistol squat – kann ich), etc.

noch unangepasst
copyright Gernot Lettner @ bikeworx.at

Und dann geht es auch schon mal aufs Rad in der bisher gewohnten Position (siehe rechts). Dabei soll ich am großen Blatt ca. 90 Umdrehungen pro Minute kurbeln. Die erste rein optische Sichtung verläuft für mich überraschend: für einen Triathleten habe ich gar keine so miese Position wie ich immer dachte. Anscheinend wurde er da schon mit ganz anderen Dingen konfrontiert.

Vermessung und Anpassung

Das heißt aber natürlich nicht dass man nicht Dinge verbessern kann. Deswegen werde ich erst mal verkabelt. Dazu werden kleine Marker an verschiedene Punkte von mir geklebt (alle seitlich): Fußballen außen, Ferse,  Knöchel, Knie, Hüfte, Schulter, Ellbogen, Handgelenk. Wenn ich nun trete werde ich von der Seite gefilmt und über die Punkte vermessen. Dadurch kann ich auf dem Monitor vor mir ein Strichmännchen sehen das mit mir mitkurbelt.

Ebenso werden dabei verschiedene Winkel gemessen: Sprunggelenk, Knie gebeugt und gestreckt, Hüftwinkel, Ellbogen etc.

Am auffälligsten bei mir ist der relativ steile Rückenwinkel von 29° – das sollten eher maximal 25° sein, dh ich fahre viel zu aufrecht und somit nicht so aerodynamisch wie ich könnte oder besser sollte. Deshalb werden die Spacer (Abstandsringe) beim Steuersatz reduziert damit mein ganzer Lenker tiefer liegt.

Des weiteren sind meine Pedalplatten anscheinend etwas zu weit vorne – das wäre zwar für reines Rennradfahren in Ordnung, für Triathlon ist es aber besser, dass sie weiter hinten sind um die Wadenmuskulatur zu entlasten. Und mein Sattel kann auch noch ein paar Millimeter höher gestellt werden.

Alle diese Anpassungen geschehen nicht auf einmal, sondern immer nur einzeln Stück für Stück. Dazwischen trete ich wieder ca. 20 Sekunden bei ca. 90U/min und gebe Feedback wie sich die Veränderungen anfühlen. Denn: ohne Rückmeldung vom Athleten kann der Bikefitter nicht viel machen. Dh man muß sagen ob nun wo etwas schmerzt, sich besser anfühlt etc. . Das ist auch gleichzeitig eine ganz gute Übung im eigenen Körper in verschiedene Bereiche hineinzuhorchen.

Was bei mir noch auffällt ist meine Sattelposition: ich sitze extrem weit vorne, im Grunde nur mehr auf dem „Spitz“ mit meinem Schambein auf (bereits vor der Anpassung schon). Leider kann man den Sattel aber nicht mehr weiter nach vorne schieben. Da ich diese Position aber fahren kann ohne bei längeren Ausfahrten größere Probleme zu bekommen – was lt. Gernot nicht viele können – ist hier noch nicht direkt Veränderungsbedarf gegeben.

Hinaus in die freie Wildbahn

So, die diversen Umstellungen sind erledigt – nun heißt es auch das ganze noch in freier Wildbahn testen: zuerst rolle ich auf einer kleinen Straße ein paar Mal an Gernot vorbei, der sich so meine Position noch einmal  mit freiem Auge ansieht. Anschließend soll ich ca. 10 Minuten noch alleine fahren und selber wieder in den Körper „hineinhorchen“.

Wie vorrausgesagt fühlt es sich nun viel kompakter an – beinahe habe ich das Gefühl dass ich „bergab am Rad liege“. Dies ist bedingt durch die extreme Tieferlegung vorne durch die Herausnahme von 3 ca. 1cm hohen Spacern. Fürs erste werde ich einmal so fahren. Falls es später zu extrem/aggressiv für mich sein sollte kann ich es ja auch stufenweise selber ändern.

Des weiteren merke ich durch die tiefe Position auch natürlich eine stärkere Beanspruchung des Nackens. Die Muskulatur muss sich da ja auch erst daran gewöhnen. Ebenso die Waden, die zwar in Summe dadurch wohl entlastet werden, aber fürs erste einmal eine Spur „anders“ belastet sind.

Am stärksten merke ich den Unterschied beim Sattel: der Spitz drückt schon um einiges stärker – aber auch hier muss ich die nächsten Wochen erst sehen ob ich es aushalten kann.

Gegen Ende des Fittings besprechen wir eben genau diese Dinge nochmal durch und was man eventuell dagegen tun kann. Ebenso soll ich als Kunde auch später noch Feedback geben wie es mit den Veränderungen läuft – denn ein Bikefitting ist nun mal nicht nur eine einmalige Angelegenheit.

Ganz allgemein finde ich noch gut, dass bei bikeworx einem nicht alle möglichen neuen Bauteile verkauft werden wollen, sondern dass vorderhand probiert wird mit dem vorhandenen Material das beste herauszuholen. Wenn man allerdings möchte kann man auch hier noch gleichzeitig weitertunen. 😉

Insgesamt kann ich bikeworx.at also unbedingt weiterempfehlen – das ist das Geld bei weitem wert und man fühlt sich sehr kompetent beraten! Und bringt sicher mehr als das gleiche in irgendwelche Anbauteile ohne Plan hineinzustecken. Außerdem erhält man auch noch ein Datenblatt des angepassten Rades mit allen Daten – falls man selber ein weiteres Rad einstellen möchte – sowie vom eigenen Körper in Position.

Real Life

Nun ist seither fast eine Woche vergangen und ich habe schon ein paar Ausfahrten gemacht. Auf meiner ca. einstündigen Hausrunde bin ich bei unguten Windverhältnissen und mit weniger Watt gleich einmal ca. 3 Minuten schneller gefahren als vor ein paar Wochen. 🙂

Das kann natürlich viele Gründe haben, aber insgesamt ist das ja schon mal eine Ansage. Einspielen muss es sich erst noch in Bezug auf meinen Nacken sowie beim Sattel – das kann beides noch etwas drücken bzw. anstrengend sein. Ich kann es zwar aushalten, aber über eine längere Distanz wohl derzeit noch nicht unbedingt. Vielleicht werde ich doch einmal einen Spacer vorne wieder hineingeben, dann ist es immer noch um einiges „flacher“, aber der Körper kann sich etwas entspannter daran gewöhnen.

Summa summarum jedenfalls eine richtige Entscheidung die jeder Hobbyathlet einmal gemacht haben sollte. Denn soviel Zeit wie auf den geliebten Drahteseln verbracht wird sollte diese ja möglichst komfortabel verbracht werden und man dabei gleichzeitig schnell sein. 😉

 

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