Andersrad

gleich und doch verschieden

Rückkehr nach Obertrum

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Letztes Jahr war hier in Obertrum meine Premiere auf der Mitteldistanz. Bei einer Hitzeschlacht konnte ich nach einem tollen Radsplit beim Laufen das Tempo allerdings nicht mehr halten.

Heuer waren die Vorzeichen anders: kühl, regnerisch und Form-Ungewissheit, dafür aber um Erfahrung reicher – würde es trotzdem eine Verbesserung geben können?

Nach trainingsintensivem Herbst-Winter von November bis März (ca. 58h/Monat) war ab April irgendwie der Wurm drinnen und es kamen gerade mal 35h/Monat zusammen. Das hing auch mit meiner Verkühlung vor dem Salzburg-Marathon zusammen, aber selbst danach war es nur schwer wieder in den Tritt zu kommen. Speziell beim Laufen hat mich seit damals etwas die Motivation verlassen. Jedoch dürfte die Grundlage stimmen, sonst hätte ich nicht beim Linztriathlon und beim Steeltownman bessere Leistungen als im Vorjahr erzielen können. Da war ich jedesmal beim Laufen und Radfahren um einiges schneller. Nur das Schwimmen schwankte trotz mehr Training als 2015.

Im Vorfeld von Obertrum hatte ich auch noch andere Probleme: einige Wochen zuvor musste die lange Radausfahrt ausfallen, da selbst mit 3 Schläuchen immer wieder Luft entwich und die geklebten Löcher auch augenscheinlich hielten, aber beim Montieren dann doch nicht wollten.

Und auch am Vorabend vom Trumertri dann ein ähnliches Bild: noch das letzte Mal in die Garage gehen und alles zusammenrichten, da plötzlich: keine Luft im Hinterreifen! Damn! (Dunkle Erinnerungen an das DNF von Zell/See wurden wach) Am Schlauch war kein Loch zu finden, außerdem war der gerade mal 2 Wochen alt und hatte eine 100km-Ausfahrt bereits unbeschadet überstanden.
Deshalb wieder vorsichtig eingebaut, aufgepumpt und dabei das Ventil fest angezogen. Meine Vermutung war dass dieses nicht ganz dicht war. Und es schien richtig – später am Abend war die Luft noch immer drinnen und auch am Renntag noch immer. Puh!

Der Regen bereitete mir auch Sorgen: bei Nässe bin ich übervorsichtig am Rad, außerdem ist mir Wärme und von mir aus Hitze immer lieber als Kälte.

Aber hilft ja alles nichts – geht ja allen AthletInnen genauso.

Durch die kühle Temperatur (12°C beim Start) hatte auch der Obertrumer See deutlich abgekühlt und hatte nur mehr ca. 18°C statt noch 24° ein paar Tage zuvor. Somit war der Neo also wieder erlaubt. Außerdem war mir bereits klar, dass es am Rad sehr kühl werden würde, deswegen lieber ein Kurzarm-Radshirt statt dem ärmellosen Zweiteiler angezogen und weiters in der Wechselzone Armlinge und Windweste bereit gelegt.

Die Haupterkenntnisse vom Vorjahr waren:

  • schlechte Ernährung (gerade einmal 3 zähflüssige Gels während dem gesamten WK)
  • Radfahren zu forsch angegangen

Diesmal wollte ich es anders und besser machen: am Rad generell zurücknehmen (durch den nassen Untergrund sowieso) und außerdem alle 30 Minuten ein High5-Gel zu mir nehmen. Dazwischen immer wieder Schlucke Iso trinken. Bei einer Radzeit von knapp unter 3h kommen da somit 6 Gels zusammen. Zusätzlich dann noch eines fürs Laufen.

Angesichts der Temperaturen verzichte ich diesmal auf das Einschwimmen, da ich sonst vermutlich zu stark auskühlen würde während ich auf den Startschuß warte. Deswegen mache ich diesmal verstärkt Armkreisen (vorwärts, rückwärts, gleichzeitig, abwechselnd) und Standsprünge
Gerade einmal 3 Minuten vor dem Start gehe ich ins Wasser, das sich gar nicht soo kalt anfühlt, und schwimme zur Startlinie (Wasserstart). Kaum dort angekommen kommt auch schon das

BUMMM!

Los gehts! Im Gegensatz zum Vorjahr wurde diesmal die kurze und lange Schwimmrunde getauscht – es geht also zuerst auf eine 750m-Runde, dann kurz an Land bevor der Rest der 1,9km zu schwimmen ist. Ich komme ganz gut in Rhythmus und bleibe auch weitestgehend von Schlägen und Tritten verschont. Insgesamt läuft das Schwimmen wieder um einiges besser und zivilisierter als beim Steeltownman vor 2 Wochen. Auch mein Wassergefühl ist viel besser – es fühlt sich einfach „gut“ an  zu schwimmen.
Natürlich werde ich wieder von vielen überholt, im Gegenzug kann ich aber sogar 3min vor mir in der ersten Welle gestartete überholen! Eine ganz neue Erfahrung.

Beim Landgang erkenne ich nur schemenhaft die Umgebung, bekomme aber immerhin mit, dass Zuschauer anfeuern. Die lange Gerade weg vom Ufer zur Boje zieht sich dann etwas und langsam freue ich mich schon darauf mich aufs Rad setzen zu können – egal wie das Wetter ist.

Die 2. Hälfte der zweiten Runde geht dann doch schnell vorüber, auch wenn die Arme langsam müde werden und schon bin ich aus dem Wasser draußen! In 39:51 habe ich meine Vorjahreszeit dank Neo um mehr als 3 Minuten verbessert, ergibt aber trotzdem nur die 187. Zeit von ca. 260 Startern (plus mehr als 100 DNS – wahrscheinlich aufgrund der Wetterbedingungen!).

Der Weg zur Wechselzone ist lang, nass und dort wo es über Gras geht auch tief – trotz den ausgelegten Teppichen sinkt man immer etwas ein. Beim Wechselplatz fackel ich nicht lange und setz mich zum Neo-Ausziehen hin, schlüpf dadurch relativ schnell hinaus und bin auch zügig und entspannt beim Anziehen des Windgilets (im Nachhinein sehr gute Entscheidung!) und der Armlinge, die ich mir nur aufs Handgelenk schiebe und auf den ersten 500 Metern am Rad ganz hinauf ziehen werde.

Insgesamt wieder ein solider Wechsel in 4:45 Minuten und der 116. Wechselzeit – war aber auch nicht auf Tempo ausgelegt.

Durch Wind und Wetter

Beim Aufstieg aufs Rad habe ich kleine Probleme in die Schuhe zu kommen, muss deswegen nach 2 Metern noch mal kurz stehenbleiben, da der Schuh nach unten hängt. Ist mir bis jetzt auch noch nie passiert – vielleicht sollte ich deswegen doch einmal den Gummibandtrick testen.

Es ist nass und kalt obwohl der Regen nahezu aufgehört hat und ich versuche nach meinem obligaten Post-Swim-Gel ins Kurbeln hinein zu finden. Die anstehenden Steigungen helfen warm zu werden und ich halte mich auch noch bewusst zurück obwohl ich bereits einige andere FahrerInnen überholen kann.

Weiters halte ich mich streng an meine Taktik: ruhig kurbeln mit eher etwas höherer Trittfrequenz, auf den Abfahrten nicht übermässig riskieren und alle 30min ein Gel bzw. dazwischen ein paar Schlucke Iso. Langsam gewöhne ich mich auch an den Untergrund und werde mutiger bei den Kurven (= mit >10km/h durch die Kurve eiern). Beim Einbiegen Richtung Mattsee und Obertrum kommt dann auch noch etwas stärkerer Gegenwind dazu und gerade hier merke ich zwar dass die Armlinge+Weste meinen Oberkörper gut wärmen, auf den Beinen hingegen ist es saukalt. Durch den flachen Streckenabschnitt und das nun höhere Tempo kühle ich schnell aus und freue mich über jede kleine Steigung um mich dabei wieder aufzuwärmen. Zum Glück wird der Wind die nächsten beiden Runden weniger und das Kältegefühl kommt nach der 1. Durchfahrt bei Obertrum nicht wieder.

In der 2. Runde wird es schon deutlich leerer auf der Radstrecke. Die Kurzdistanzler die 30 Minuten vor uns gestartet sind sind bereits fast alle auf der Laufstrecke und das Feld der Mitteldistanzler ist auf der 30km-Schleife deutlich entzerrt.
Ich schaue weiterhin dass ich meinen knappen 30er-Schnitt halten kann und überhole nach wie vor immer wieder mal jemand anderen. Im Gegenzug sind aber nur ein paar Staffelfahrer schneller als ich.

Auf der 3. Runde werden die Beine etwas schwerer und ich beginne mich aufs Laufen vorzubereiten. Das Tempo ist aber nach wie vor konstant etwas über 30km/h. In Summe also etwas langsamer als im Vorjahr (ca. 7 Minuten), aber da war es schließlich auch trocken und ich fuhr auf Teufel-komm-raus.

Kurz vor der Wechselzone öffne ich meine Windweste um in T2 schnell rausschlüpfen zu können und schlüpfe auch bereits aus den Schuhen.
Insgesamt war es trotz Regen (den es jede Runde verlässlich rund um den höchsten Punkt und manchmal auch mehr gab) eine solide Rad-Performance und ich habe auch einige Plätze gut gemacht. Mit meinen 2:55:39 und der 127. Radzeit schiebe ich mich auf Platz 134 nach vorne – also mehr als 50 Plätze.

Der 2. Wechsel  ist um einiges zügiger als der erste. Die Weste ist schnell herunten, ich setze mich hin um Socken und Schuhe anzuziehen und damit ich vor allem dieses schwarze Granulat des Sportplatzes von den Füßen abstreifen kann damit es in den Laufschuhen nicht reibt. Die Armlinge lasse ich zum Handgelenk hinuntergeschoben drauf – da stören sie nicht und die paar Sekunden will ich sparen.

Als ich zum Wechselplatz komme verlässt gerade ein anderer Athlet denselbigen mit einem ähnlichen Niveau wie ich – bei den bisherigen Stationen des 3er Cups in Linz und beim Steeltownman war einmal ich knapp voran gewesen, das andere knapp er (jedesmal jeweils unter einer Minute) – bin gespannt wie es diesmal ausgeht. Ich schnappe mir noch 1 Gel für unterwegs und bin dann auch schon auf der Laufstrecke – einem Rundkurs durch Obertrum, der 4 mal zu durchlaufen ist.

Der Wechsel war jedenfalls meine beste Einzelplatzierung heute – Platz 29 in 1:43 Minuten. 🙂

Ruhig, ganz ruhig

Mein Hauptziel für den heutigen Tag war vor allem anderen eine solide Laufleistung hinzubringen und nicht dabei einzubrechen wie im Vorjahr. Zielzeit so ca. 1:45h – das wäre eine Durchschnittspace von exakt 5:00min/km.

Es geht auch total flüssig von den Füßen – den ersten Kilometer absolviere ich inkl. Pinkelpause (die aber schon dringendst nötig war, fühlte es die ganze letzte Radrunde lang) in 4:57 Minuten! Na hui. Daraufhin versuche ich bewusst zu bremsen was nur geht – trotzdem pendelt sich die Pace zwischen 4:40 und 4:57min/km ein und es fühlt sich gut an!

Meinen Konkurrenten habe ich gut im Blick, er läuft etwa 100m vor mir wie ich anhand der 50m-Markierung zum Wendepunkt feststellen kann. Er ist einen Hauch schneller und in der zweiten Runde hat sich sein Vorsprung ca. verdoppelt. Im Grunde ist es mir aber egal, denn deswegen laufe ich sicher nicht schneller. Konstanz heißt die Devise. Spannend finde ich es aber schon.

Erstaunlich schnell sind die ersten beiden Runden vorbei und es geht prinzipiell noch immer gut dahin, auch wenn sich langsam aber sicher eine gewisse Müdigkeit einstellt. Dass es selbst für die Topathleten schwer sein kann sehe ich in der ersten Runde, als mir nach dem Wendepunkt auf der Gegengeraden der Gesamt-2. (in seiner letzten Runde) entegengkommt und zu seinem Betreuer „Es tut so weh“ mit schmerzverzerrtem Gesicht zuraunt. Wieder mal der Beweis dass es allen gleicht geht, auch wenn das Tempo unterschiedlich sein mag. 😉

Zurück in Runde 3: nach 11km werfe ich mein Gel ein und sehe mit Erstaunen, dass ich meinem Konkurrenten wieder näher gerückt bin – es sind nun wieder die 100m wie zu Beginn. Aber auch ich werde langsamer.  Auf der ersten Hälfte mit einer Pace deutlich unter 5min unterwegs sind es nun immer 5min/km plus ein paar Sekunden. Kein richtiger Einbruch, aber die Lockerheit verfliegt so nach und nach

Dann die 4. Runde – ein letztes Mal muss ich auf die lange, leicht ansteigende Gerade mit Gegenwind – die Pace leidet hier am meisten und mit 5:19min/km ist das auch mein schwächster Abschnitt im Rennen und dennoch kann ich meinen heimlichen Pacemaker oder nach Greif „Holger“ genannt hier stellen und überholen. Das verschafft mir noch mal etwas Luft und dann ist es geschafft und der Wendepunkt passiert! Die letzten 3 Kilometer sind dann auch nicht mehr so das Problem, auch wenn es zäh wird und bei km 20 plötzlich das rechte Knie ganz leicht anfängt zu zwicken. Egal. Jetzt geht es nur noch zum Ziel!

Dieses erreiche ich dann nach einem HM von 1:41:49 (=95. Laufzeit) als gesamt 113. nach 5:23:47h!

Somit die letztjährige Zeit um 12 Minuten verbessert bzw. beim Laufen sogar fast 18 Minuten schneller gewesen! Die richtige Taktik zahlt sich also definitiv aus und es war sicher einer meiner besten Halbmarathons. Bis zum Schluß Tempo machen zu können und dabei auch noch den/die eine oder anderen LäuferIn zu überholen war echt ein Vergnügen und gab nochmal extra Kraft – ganz anders als der umgekehrte Fall letztes Jahr!

Am meisten freut mich neben der tollen Laufleistung (und das trotz nur wenigen Kilometern in den letzten Monaten) auch, dass ich überhaupt an den Start gegangen bin – trotz der unwirtlichen Bedingungen. Und nicht wie viele andere ein DNS in Kauf genommen habe (mehr als 100 DNS!). Der toll organisierte Bewerb mit den vielen motivierten HelferInnen und dem trotz Wetter tollen Zusehern hat sich das eindeutig verdient!

Und nachdem das heute so gut gelaufen ist bin ich nun sogar wieder am Überlegen wo ich heuer noch eine weitere Mitteldistanz machen könnte… denn sonst wäre die Triathlon-Saison ja leider schon wieder zu Ende! 🙁

P.S.: mein heimlicher Tempomacher kam dann 1 Minute nach mir ins Ziel, in Summe waren wir beide beim Linz Sprint, Steeltownman OD und Trumer Tri MD gerade einmal 36s auseinander! Also auch im hinteren Feld kann es durchaus spannend zugehen auch wenn es dabei um genau nix geht. 🙂

 

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